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“Geh niemals mit einem Fremden mit!”

10 August 2009 977 views No Comment

Das ist oft der einzige Ratschlag, den Kinder mit auf dem Weg bekommen, wenn sie alleine auf die Straße gehen. Eine Mutter erzählte mir einmal ganz aufgeregt, wie ein fremder Mann ihren Sohn vor dem Schultor nach einem Schulkind gefragt hat. Ihr Sohn konnte die Situation nicht einsortieren. Ihre ziemlich wütende Stellungnahme dazu: “Erwachsene haben fremde Kinder einfach nicht anzusprechen!” Mit Sicherheit ist das eine extreme Sichtweise, aber ein Korn Wahrheit steckt drin. Kinder können den Fremden nicht gut einschätzen. Ist er mir wohl gesonnen? Oder hat er böse Absichten?

Eltern können ihren Kindern noch mehr mit auf den Weg mitgeben, als nur diesen Rat. Es gibt einige präventive Schutzmaßnahmen:

Schicken Sie Ihr Kind möglichst nicht allein los. Suchen Sie einen Laufpartner mit Ihrem Kind. Für Schulwege finden sich oft kleine Gemeinschaften. Kinder machen sich mit einem Partner oder in einer Gruppe auf den Weg.

Besprechen Sie mit Ihrem Kind die Routen, die es gehen soll. Kinder neigen dazu kleine Geheimwege zu wählen, Abkürzungen durch dunkle Gassen, abgelegen Feld- oder Waldwege. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es sich dort selber in Gefahr begibt und besser die einsichtige Straße benutzen sollte.

Zeigen Sie Ihrem Kind Rettungsinseln. Gehen Sie mit ihm den Weg ab und machen ihm klar, wo es in einem Notfall hinrennen sollte: Ein Kiosk, ein Geschäft, ein Haus in dem Freunde leben. Wenn Ihr Kind diese Rettungsinseln vorher schon einmal mit Ihnen besprochen hat, kann es in gefährlichen Situationen auf sie zurückgreifen.

Legen Sie mit Ihrem Kind eine Automitfahrliste fest. Klären Sie ganz klar mit wem es mitfahren darf. Alle anderen Mitfahrgelegenheiten sind ohne vorherige Absprache absolut tabu. Denn zu oft bekommen Kinder von verschiedenen Menschen eine Mitfahrgelegenheit angeboten, und es ist mit Sicherheit in Ihrem Interesse zu wissen, bei wem sich Ihr Kind gerade aufhält.

Finden Sie ein geheimes Codewort mit Ihrem Kind. Vielleicht können Sie Ihr Kind einmal nicht abholen, ein Bekannter übernimmt die Fahrt. Damit Ihr Kind weiß, dass es mitfahren darf, teilen Sie dem Bekannten das Codewort mit. Ihr Kind wird sich sicherer fühlen.

Schreiben Sie Ihrem Kind Telefonnummern für den Notfall auf: Mama Handy, Papa Handy, Büro, zu Hause, Großeltern. Und lassen Sie Ihr Kind diesen Zettel in den Schulranzen oder in das Portemonaie legen.

Üben Sie mit Ihrem Kind lautstarkes Schreien. Auch wenn Kinder oft wild und laut wirken - im Ernstfall kommt ihnen ein Schrei kaum über die Lippen. Lassen Sie es laut “Stop” rufen, oder “Feuer”, oder “Hilfe”, das was ihrem Kind am nächsten liegt. Und fordern Sie Ihr Kind auf, in Notsituationen so laut zu schreien, wie es geht, und so schnell wegzulaufen, wie es kann, am besten in die Richtung von Menschen.

Und erklären Sie Ihrem Kind, dass es nicht mit fremden Menschen auf der Straße reden muss. Man darf als Kind gegenüber fremden Menschen auf der Straße unhöflich sein und muss nicht mit ihnen reden, wenn man nicht will. Das ist in Ordnung. Kinder müssen erst einschätzen können, ob der Fremde ihren Sicherheitsabstand einhält, ihnen nicht zu nahe kommt. Sie müssen lernen, wie man sich nicht in Gespräche verwickeln lässt. Das ist alles andere als einfach. Und wer sich nicht sicher ist, darf als Schutz auch einmal unfreundlich sein.

Buchtipp:

Starke Kinder wehren sich

Prävention gegen Gewalt: Das Kindersicherheitstraining

Autoren: Ursula Fassbender, Holger Schumacher

Verlag: Kösel

ISBN 3-466-30645-0

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