Kinder allein zu Haus
Ab wann kann ich mein Kind allein zu Haus lassen? Das ist eine Frage, auf die es keine eindeutige Antwort gibt. Die Meinungen gehen in diesem Punkt richtig weit aus einander. Wenn man sich der Internetsuchmaschinen bedient, bekommt man eine große Spannbreite verschiedener Meinungen zu lesen. Sie reicht von “Ich bin alleinerziehend. Mein Kind ist ein Schlüsselkind. Es muss seit seinem ersten Schultag jeden Nachmittag drei Stunden alleine verbringen!” zu “Ich habe mein Kind das erste Mal mit 11 Jahren für eine Stunde allein gelassen.” Zu diesem Thema herrschen diverse Unsicherheiten. Eine eindeutige Aussage wird auch dieser Blogeintrag nicht geben können. Aber ein paar nützliche Hinweise, die die Entscheidungsfindung unterstützen.
Mein jüngster Sohn nahm mir eines Tages die Entscheidung ab, ob er nun allein zu Hause bleibt oder nicht. Der kleine Mann spielte jeden Tag für längere Zeit nach dem Kindergarten mit seinen Autos. Er baute seinen Straßenverkehr, und er fand es ziemlich uncool mich begleiten zu müssen, als ich unseren Ältesten von der Schule abholen wollte, der leider an diesem einem Tag länger Unterricht hatte. “Ich geh nicht mit.”, erwiderte er nur trotzig. “Ich will hier Autos spielen.”, seine Erklärung. Was für Argumente konnte ich dagegen setzen, auf jeden Fall keine besonders stichhaltigen, wußte ich doch, dass er wirklich stundenlang versunken mit seinen Autos spielen konnte. “Na gut,” antwortete ich, ” aber du darfst keinem die Tür aufmachen!”, war meine einzigste Anweisung. Ich ging los. Und ich hatte Bauchweh bei der Aktion. An der Schule trieb ich meinen Ältesten zur Eile an, der widerum darüber nicht besonders erfreut war. Wieder zu Hause angekommen, eine halbe Stunde später, rief mein Kleiner aus seinem Zimmer: “Siehst du, ich kann das!”
Ab da änderte sich etwas bei uns zu Hause. Mein Großer, eher ein wenig ängstlicher Natur, war bislang nie auf die Idee gekommen, er könne doch allein zu Hause bleiben. Mit so einem mutigen, kleinen Bruder im Hintergrund, sah die Lage allerdings anders aus.
“Kommt ihr mit einkaufen?” meine Frage. “Bekommen wir auch etwas?”, ihre Antwort. “Nö!”, meine Antwort. “Dann nicht!”, ihre Reaktion. Es wurde einfacher. Ich erledigte kleinere Gänge, die maximal eine dreiviertel Stunde dauerten. Ich war entspannter, weil ich keine nörgelnden Jungs bei mir hatte. Irgendwann weitete ich meine Gänge aus, aber kündigte einen Kontrollanruf an. Auch das funktionierte. Die kleinen Kerle teilten mir mit, was sie gerade spielten.
Eines Tages sprach mich mein Kollege an: “Ist ja schon witzig, sich mit deinen Jungs zu unterhalten, wenn du nicht da bist. Die geben gerne Auskunft!” Ups. Mir hatten sie nichts von diesem Anruf erzählt und ich merkte, dass bei allem Vertrauen ich doch mehr Regeln aufsetzen musste. Ich konnte mich auf meine Jungs bislang wirklich immer verlassen, sie gehörten nicht zu den Schlawinern, die zündelten, mit Messer spielten oder sonst irgendwelchen Unsinn anstellten. Aber da war ein Lücke.
“Wenn das Telefon klingelt, lasst ihr den Anrufbeantworter dran gehen, es sei denn ihr könnt auf dem Display erkennen, dass der Papa, Oma oder Opa, oder ich am anderen Ende bin.” Das ist für die beiden wirklich nicht leicht, weil sie gerne zum Telefon stürzen. Aber auch sie sind lernfähig.
Heute bleiben meine Jungs auch schon einmal zwei bis drei Stunden allein zu Haus, weil ich arbeiten muss, die Kinderbetreuung abgesagt hat und der Papa erst später von der Arbeit kommt. Meine Jungen sind acht und zehn Jahre alt. Das funktioniert, weil ich ihnen vertrauen kann. Das ist für mich die allerwichtigste Grundvoraussetzung. Sie steht für mich vor allem anderen und habe ich auch immer so mit ihnen kommuniziert. Das Wichtigste ist: “Ich muss mich auf euch verlassen können.”
Wir haben klare Regeln aufgestellt:
- Wenn es an der Tür klingelt, darf sie nicht geöffnet werden. Nicht für einen Postboten (Die Post kann im Zweifelsfall auch die Nachbarin entgegennehmen.), nicht für Freunde (Besuch ist in dieser Zeit sowieso nicht erlaubt.) Die Haustür wird nicht abgeschlossen, damit sie im Notfall schnell raus können.
- Wenn es am Telefon klingelt, geht der Anrufbeantworter dran. (Am Display können sie erkennen, wer gerade anruft. Unbekannte sollen sie einfach sprechen lassen.)
- Es ist verboten mit Feuerzeugen und Messern zu spielen. (Über die Gefahren sind sie aufgeklärt worden.)
- In Notfällen könnt ihr euch an die Nachbarin wenden. (Sie ist informiert darüber, dass ich nicht zu Hause bin. Sie hat auch einen Haustürschlüssel.)
- Die aufgetragenen Aufgaben (Hausaufgaben etc.) müssen zuerst erledigt werden. (Probleme lösen wir später gemeinsam. Und: Der Ältere ist nicht dafür verantwortlich, dass der Jüngere seine Aufgaben ordentlich erledigt. Jeder ist für sich selber verantwortlich. Ich kontrolliere hinterher.)
- Darüber hinaus gibt es Detailabsprachen: Wenn ihr rausgehen wollt, bitte ich darum mich vorher telefonisch zu fragen. Zum Thema Fernsehen und Playstation bin ich etwas offener. Sie dürfen es, aber auch nur wenn der Konsum an den anderen Tagen in einem richtigen Verhältnis zueinander steht.










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