Richtig loben!
“Manchmal bewirkt Lob viel mehr als harte Worte.” sagte lächelnd die Lehrerin meines Sohnes, als ich ihr erzählte, wie er auf die barmherzigen Worte - “Leider 11 Fehler, aber ich sehe Du hast dir Mühe gegeben.” unter seinem Test reagierte. Er seufzte damals gefrustet: “Ja, das stimmt, ich habe mir wirklich Mühe gegeben.”
Wie schnell können wir uns als Eltern über den schlechten Test unseres Kindes aufregen. Hätte er sich doch nur ein bisschen mehr Mühe gegeben, wäre es noch eine Vier geworden. Wir sehen als Eltern nur das Ergebnis und vergessen, wie sehr das Herz der Kleinen vor Furcht flattert, das Denken kurzfristig blockiert sein kann, und manchmal die einfachsten Dinge vor Nervosität nicht erkannt werden. Wie schlimm kann es für den Schüler sein, hinterher das Heft aufzuschlagen und unter der Arbeit steht “Mangelhaft”. In dieser Situation noch mit der verbalen Keule auf den Schüler einzuschlagen kann für ihn vernichtend sein. Aber wie können Eltern hier noch motivieren oder gar loben?
Natürlich sehen wir als Eltern sehen es am liebsten, wenn unsere Kinder die großen Ziele erreichen. Wie freuen wir uns über eine 2 in Deutsch, wenn der Sohn vorher auf dem Zeugnis eine 4 hatte. Doch sind es die kleinen Verhaltensänderungen, die wir registrieren sollten. “Ich habe gesehen, dass du in der Schule ordentlich mitgarbeitet und deine Hausaufgaben sorgfältig erledigt hast.” Oder ein Schüler, welcher immer Mühe hat sich daran zu erinnern, was denn nun seine Hausaufgaben für den Tag sind, kann gelobt werden dafür, dass er seine Arbeitsuntensilien mitgebracht und die Hausaufgaben ordnungsgemäß ins Heft eingetragen hat. Ein anderer, der noch nie selbständig seine Vokabeln gelernt hat, und nun eigenständig beginnt 10 Minuten in dieses Lernen zu investieren, vollbringt einen wichtigen Anfang. Die kleinen Schritte loben, das ist so wichtig, denn jedes Lob motiviert zu weiteren Leistungen. Und das gilt nicht nur für Schulleistungen.
Mit dem Lob lenken wir das Verhalten unserer Kinder in die richtige Richtung. Sicher wünschen wir uns für unsere Sprößlinge den großen Erfolg, aber jedes noch so große Ziel wird nur in kleinen Schritten erreicht. Und jeder kleine Schritt, von den Eltern wahrgenommen und honoriert, motiviert die Kinder weiter zu gehen und nicht verzagt inne zu halten.
Dabei ist es wichtig, effektiv zu loben. Ein pauschales Lob “Das hast du gut gemacht!” hilft einem Kind herzlich wenig. Besser ist es ihm genau mitzuteilen, was gut war. “Ich finde, diese ersten zehn Zeilen hast du sehr ordentlich geschrieben.” “Klasse, dass du alle deine Blätter eingeheftet hast.” “Toll, du hast die Matheaufgaben in die richtigen Kästchen untereinander geschrieben.”
Wie Sanktionen generell, sollte auch das Lob unmittelbar erfolgen, denn dann können Kinder am besten verinnerlichen, für welches Verhalten sie gelobt werden. Wenn wir sie erst am Abend für etwas loben, dass sie am Mittag gemacht haben, dann werden sie zwar daran erinnert, aber die Freude über den Zuspruch nach einer gerade vollbrachten Anstrengung erfahren sie nicht mehr.
Kinder können gar nicht oft genug gelobt werden. Kritik rutscht uns Eltern leichter über die Lippen. Wie schnell wird Sohn oder Tochter gescholten. Dem eigenen Ärger Luft machen ist leicht, aber die Zufriedenheit über eine erbrachte Leistung zu verbalisieren, vergessen wir oder nehmen es einfach nur hin. Für unsere Kinder ist es wichtig, dass wir unseren Blick wechseln, und das Gute in ihnen suchen. Das Loben sollte regelrecht zum Erziehungsstil werden.
Kinder spüren unsere Emotionen, und so ist es wichtig, dass wir authentisch loben, auch ein unehrlich ausgesprochenes Lob spüren sie. Man sollte nie etwas loben, was man eigentlich nicht gut findet. Sie würden uns diese Worte so wieso nicht abkaufen. Vielmehr lassen diese Worthülsen uns unglaubwürdig erscheinen. Desgleichen kann man ein Lob wenig glaubwürdig vermitteln, wenn man gerade verärgert ist.
Der wichtigste Punkt ist aus meiner Sicht, dass man Lob nicht mit Kritik mischen sollte. Wie oft sagen wir unseren Kinder, dass sie dieses oder jenes gutgemacht haben, und in einem Atemzug fahren wir fort, sie auf die Missstände hinzuweisen. Solch ein Lob verpufft, denn das zuletzt Gesagte, die Kritik bleibt in den Ohren des Kindes haften. Ein Lob sollte immer für sich allein stehen und einfach nur wirken.











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