Schulerziehungsmaßnahmen 2009
Dieses Formblatt hat heute mein 10jähriger Sohn erhalten. Er hat bislang immer gewissenhaft seine Hausaufgaben erledigt, sie wurden von mir persönlich tagtäglich kontrolliert. Gestern hat er aus Versehen das erste Mal die Hälfte seiner Hausaufgaben im Fach Englisch vergessen. Das Vergehen wurde innerhalb weniger Sekunden mit folgendem Vordruck sanktioniert:
Schreibe diesen Text fehlerfrei, sauber und ordentlich ab! Ich erwarte eine saubere und ordentliche Schrift. Liegt der Text nicht bis zur nächsten Stunde in der angemessenen Form vor, d.h. sauber, lesbar und fehlerfrei, so erfolgt eine Mitteilung an die Eltern.
Vergesslichkeit
Ich habe heute mal wieder einmal etwas vergessen, was ich für den Unterricht gebraucht hätte. Dies ist nicht nur unangenehm für mich, sondern stört auch einen geregelten Unterrichtsablauf. Deshalb muss ich diesen Text abschreiben, damit ich in Zukunft besser vorbereitet zur Schule komme.
Ständiges Vergessen ist äußerst lästig. Wie soll der Lehrer z.B. beurteilen, ob ich meine Hausaufgaben “nur” vergessen habe, oder ob ich sie gar nicht gemacht habe, weil ich keine Lust dazu hatte? Die anderen wollen ihre Ergebnisse vortragen und überprüfen, der Lehrer braucht eine Menge Zeit, um sich um die “Vergesser” zu kümmern. Diese Zeit fehlt uns allen. Wir können weniger lernen, nur weil ich so nachlässig war.
Auch meine Noten leiden darunter, wenn ich durch mein Verhalten ständig gegen die Regeln verstoße. Wenn ich ehrlich bin, könnte ich mit eine bisschen Energie mein Verhalten ändern. Ich nehme mir vor, nichts zu vergessen.
Das fängt schon damit an, dass ich ab sofort gewissenhaft alles in mein Hausaufgabenheft eintragen werde. Mit Hilfe dieser Eintragungen werde ich pünktlich zu dem jeweils geforderten Termin alle Hausaufgaben erledigen. Meinen Ranzen werde ich jeweils nach Erledigen der Hausaufgaben in aller Ruhe packen und dafür sorgen, dass auch alles für den nächsten Schultag eingepackt ist.
Wenn sich mein Verhalten nicht bessert und ich weiterhin Schulsachen vergesse oder Hausaufgaben nicht anfertige, wird eine Klassenbucheintragung erfolgen und meine Eltern werden eine schriftliche Mitteilung erhalten.
Diesen Text lege ich zu Hause meinen Eltern vor, damit sie mit mir über eine angemessenes Verhalten bei der Erledigung von Hausaufgaben und mein Problem der Vergesslichkeit sprechen können. Vater oder Mutter bestätigen mit ihrer Unterschrift, dass sie diesen Text gelesen und mit mir besprochen haben und mir dabei helfen werden, alles Schulsachen zuverlässig zu erledigen und mitzunehmen.
So, jetzt hoffe ich, dass ich diesen Text nie mehr abschreiben muss, denn ich will mich und mein Verhalten ändern.
Ort, Datum Deine Unterschrift Unterschrift der Eltern
Ich erspare meinen Lesern an dieser Stelle jeden weiteren Kommentar von mir.










Eine bodenlose Unverschämtheit. Und Unsensibilität der Lehrerin dazu, die in meinen Augen fast schon zur Inkompetenz reicht. Ein solcher Brief, nach einmal Hausaufgaben vergessen?! Das ist Diskriminierung. Und für mich ein klarer Verstoß gegen Fairness und Sorgfaltspflichten.
Ich habe mittlerweile herausgefunden, dass diese Form der Strafarbeit an dieser Schule gängige Praxis ist, vom 5. Schuljahr bis hoch zum 10. Schuljahr. Immer derselbe Brief.
das muss man wohl nicht kommentieren, oder?
Es grenzt, wie Jochen bereits treffend gesagt hat, an Diskriminierung und es scheint, als wäre besagter Lehrer (bzw. die scheinbar die komplette Lehrerschaft der Schule) bei der eigenen Ausbildung irgendwie um das Thema “Pädagogik” herumgekommen (oder hätten in diesem Schwerpunkt selbst keine Hausaufgaben gemacht).
Bei permanenten Hausaufgaben-Vergessern ist eine derartige Strafarbeit sicher angebracht (auch wenn stumpfes Texte-Abschreiben keine sonderlich kreative Strafarbeit ist), beim einmaligen Vergessen würde ich als Eltern dagegen vorgehen und meinem Kind den Rücken stärken.
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