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St. Martin vs. Halloween

24 Oktober 2009 897 views One Comment

Vor einigen Jahren noch galt man als Teenie extrem cool, wenn man eine Halloween-Party organisierte. Lag der Reiz doch darin etwas richtig Abscheuliches zu gestalten - Würmer im Pudding, Mäuse im Blut oder Vampier-Cocktails. Die Dekoration dazu war unheimlich und heimelig zu gleich - abgehängte Decken, Kerzen, Spinnennetze und dunkle Vorhänge. Und in den tristen Herbsttagen sich zu verkleiden, als Geist, Hexe oder Vampir, das hatte doch richtig was.

Heute ist Halloween zu feiern normal. Die Schaufenster sind leuchtend orange mit Kürbissen dekoriert. In den Läden findet man alle mögliche Deko für die Party, in jedem Spielzeugladen gibt es Kostüme und Masken neben Skeletten und anderen ekeligen Krimskrams.

Vor einigen Tagen stand ich im ortsansässigen Schreibwarenladen als der Azubi Laternen an die Decke hängte. Die Martinslaternen. Sie geraten fast schon in Vergessenheit neben den aufdringlichen Halloween-Zubehör. St.Martin. Dieses Fest wird nicht überall in Deutschland gefeiert, und wenn dann auch in unterschiedlichen Formen. Im Kölner Raum gedenken insbesondere Kindergarten- und Grundschulkinder um dem 11. November dem Heiligen Martin, der barmherzig war und in der bitterkalten Nacht seinen Mantel mit einem Bettler teilte. In Schulen und Kindergärten wird ein Martinszug veranstaltet, die Kinder ziehen mit ihren Laternen durch die Stadt und singen Martinslieder. Der Umzug endet vor dem großen Martinsfeuer, das mit seiner Wärme nicht nur die kalten Hände sondern auch manches Herz erwärmt. Danach ziehen die Kinder in Gruppen von Haus zu Haus, klingeln und singen Martinslieder. Als Dankeschön erhalten sie von den Menschen Süßigkeiten. Die Kleinen freuen sich auf dieses Fest, das jedes Jahr immer wieder unaufdringlich an eine barmherzige Lebenseinstellung erinnert. Ehrlicher Weise sei hier festgestellt, dass Kinder sich natürlich auch auf die vielen Schokolädchen und Bonbons freuen.

Viele Kinder trauern dem Martinstreiben hinterher, wenn sie mit 11 Jahren die weiterführende Schule besuchen. St. Martin feiert dann keiner mehr, nur manchmal spendiert ein netter Klassenlehrer Weckmänner. Um so mehr freuen sie sich über Halloween. Dieses Fest passt genau in die Lücke. “Trick or treats!” - “Süßes sonst gibts Saures!” Die angehenden Teenies fühlen sich zu groß für das Martinsfest, aber auch noch klein genug um verkleidet an den Türen nach Süßigkeiten zu fragen. Der Hintergrund für diese Forderung liegt im heidnischen Gedankengut. Halloween geht als Fest auf die Kelten zurück. Am 31. Oktober war ihrem Glauben zufolge die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten durchlässig. Es wurde den Geistern Früchte, Gemüse und Tiere geopfert um sie zu besänftigen, damit sie nicht von den Lebenden Besitz ergreifen. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich das Fest, bis dann heute Halloween als amerikanischer Brauchtum bei uns landete. (Schön erklärt ist es auch hier.)

Laterne oder Kürbis. St. Martin oder Geister. Das “oder ” ist hier natürlich provokant gesetzt. Jedes Elternteil kann für sich selber entscheiden, welches Fest es mit seinen Kindern feiern will. Allerdings setzt aus meiner Sicht in den letzten Jahren ein gewisser Verdrängungsprozess ein. Halloween mit seinen Kostümen und seiner Deko lässt sich weit besser vermarkten als St. Martin, an dem die Eltern allenfalls jedes Jahr aufs Neue einen Laternenstab kaufen. Und so verdrängt unter anderem der Kommerz ein eigentlich stilles und besinnliches Fest, das elementare Werte vermittelt.

Was tun? In meiner Nachbarschaft öffnen Erwachsene den kleinen Geistern die Tür und erklären ihnen, sie sollen in einer Woche wiederkommen, dann wenn St.Martin ist. Zumindest eine Lösung.

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