Schimpfwörter stoppen
In meinem Job begegnen mir immer wieder Kinder, die in verbalen Entgleisungen der schlimmsten Form miteinander kommunizieren. Der kleinste Streit wird mit: “Du Ar….., du hast ….!” eingeleitet.
Schimpfwörter sind zunächst einmal nur Ausdruck der Wut. Mir persönlich ist es lieber, die Kinder zoffen sich nur mit Wörtern, als dass jeder Streit in Handgreiflichkeiten ausartet, allerdings ist dieser kleine Satz “Du A……!” schon eine Aufforderung in sich, den anderen zu verhauen, schließlich ist man persönlich beleidigt worden. Dem Erwachsenen bleibt meistens nichts anderes übrig als direkt einzuschreiten.
Was kann man also tun, um den Schimpfwörtern zu begegnen?
Das Wichtigste ist unsere Vorbildfunktion als Erwachsene. Wenn Kinder erleben, dass Erwachsenen sich gegenseitig beschimpfen, oder auch Pädagogen die Kinder - ich bin immer wieder negativ überrascht darüber, wenn Kinder mir berichten, sie werden von ihren Lehrern vor der Klasse als Dummkopf tituliert - muss man sich nicht wundern, wenn die Kleinen dieses Verhalten imitieren. Wenn Kinder erleben, dass Erwachsene respektvoll untereinander und mit ihnen umgehen, werden sie lernen auch respektivoll mit ihres Gleichen umzugehen.
Desweiteren ist wichtig, dass Kinder und auch Jugendliche sich generell dessen bewußt sind: Hier dürfen keine Schimpfwörter benutzt werden. Am besten ist, wenn mit ihnen gemeinsam die Regel aufgestellt wird und sie gleichzeitig mit dem Erwachsenen festlegen, wie die Nichteinhaltung sanktioniert wird. Bei uns im Jugendzentrum gilt, dass die Kinder für 10 Minuten das Haus verlassen müssen, sie werden danach auch von den Mitarbeitern wieder hereingeholt. Zu Hause kann eine Familienkasse sehr hilfreich sein. Eine befreundete Mutter lässt ihre Kinder 10-Cent ihres Taschengeldes in diese Kasse einzahlen, wenn ihnen einen Schimpfwort herausgerutscht ist. Sie selber beteiltigte sich selber auch mit 2-Euro bei verbalen Entgleisungen. Diese Regel hat gewirkt. Die Kasse wurde nicht besonders reich bestückt.
Wenn ein Kind nun ein Schimpfwort schreit, ist es wichtig, gelassen zu bleiben. Es handelt sich zu nächst einmal nur um ein Wort. Ich persönlich lege Wert darauf nicht zurück zu schreien, denn das würde die Situation nur eskalieren, sondern ich stehe auf, gehe zu dem Kind hin, begegne ihm auf Augenhöhe und frage nach, ob ihm bewußt ist, was es gerade gerufen hat. Meistens sind sie sich sehr im Klaren darüber. Dann klären wir die Bedeutung des Wortes, sofern sie nicht schon bekannt ist. Kleine Sechsjährige wissen z.B. nicht was ein “Hurensohn” ist, aber das Wort ruft beim anderen wahre Wutausbrüche hervor und wird deswegen gerne verwendet. Danach erkläre ich, dass ich solche Wörter in unseren Räumlichkeiten nicht dulde und dass beim nächsten Mal die Sanktion greifen wird. Es handelt sich also zunächst einmal nur um eine Verwarnung. Oft reicht dies, die Kinder kennen mein konsquentes Handeln.
Wenn Kinder es dennoch nicht schaffen, die Schimpfwörter einzustellen, sollten man einmal die emotionale Verfassung des Kindes hinterfragen. Es kann diverse Gründe haben, warum sie ihre Wut nicht unter Kontrolle haben. Steht es z.Z. unter enormen Leistungsdruck? Wächst es in einer liebevollen Umgebung auf? Wird es von den anderen Kindern gemobbt? Jedes Kind ist es Wert, das wir uns darum kümmern.












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